

geschrieben von Maike Anderle, Katharina Jahn, Bärbel Schäfer
15 Jugendliche der Jugendweihe Deutschland e.V. aus den Bundesländern Hamburg, Mecklenburg- Vorpommern, Sachsen- Anhalt, Sachsen und Berlin haben sich auf den Weg in das weit entfernte Belarus begeben. Die Eindrücke hielten wir in diesem Tagebuch fest.
Tag 1: Gegen 9 Uhr des 10. Oktobers tauchten die ersten verschlafenen Gesichter in der Gemeinschaftsküche des Stundentenwohnheims, unserer Unterkunft, auf. Nach dem Frühstück brachen wir zur Stadtrundfahrt durch Minsk auf. Die Fahrt führte von der Insel der Tränen, die den Opfern des Afghanistankrieges gewidmet ist, über die Leninstraße bis hin zum Siegesplatz. Dort entstand auch das folgende Gruppenfoto. Nach dem Mittagessen im Haus der Jugendlichen besuchten wir das Museum der urbelarussischen Kultur und Geschichte. Dort haben wir uns neben alten Werkzeugen und Rüstungen auch die Trachten der Belarussen aus dem Jahre 1920 angesehen. Nach Kartoffelpuffern und Geschnetzeltem ging es zum Internetclub "Europa". Dort fand ein Treffen mit den einheimischen Jugendlichen statt. Auf eine spielerische Art und Weise lernten wir uns untereinander kennen. Dazu diente die Brenndauer eines Streichholzes, in der man Zeit hatte, sich vorzustellen.
Tag 2: Unser zweiter Tag begann mit einer Laubharkaktion im Sanatorium „Bogatir“, wo seh- und hörgeschädigte Kinder aus ganz Weißrussland behandelt werden. Dies war natürlich nur der erste Programmpunkt eines ereignisreichen Tages in in der weißrussischen Pampa. Nun hieß es, Tische und Stühle zum Grillplatz zu bringen und das Barbecue aufzubauen. Während wir uns mit dem Feuer abmühten, begannen die Weißrussen schon mit dem Aufspießen der Fleischstücke. Dann nahm das große Essen seinen Lauf. Von Salat über Kartoffeln bis hin zum Brot war wirklich für jeden etwas dabei. Zum Dessert sollte es dann auch noch Melone geben, aber es waren alle schon satt. Nun ist das essen ja ein reines Vergnügen, aber es musste auch wieder aufgeräumt werden. Im Gänsemarsch ging es dann zur Küche zurück. Mit einem langen Spaziergang und einem kleinen Volleyballspiel endete der zweite Teil des Tages. Natürlich wurde auch auf die Freundschaft getrunken. Leider mussten wir den Weg zurück zum Objekt ebenfalls zu Fuß bewältigen. Doch Langeweile kam bei uns nicht auf, da wir die Zeit mit Singen überbrückten. Zum Abschied amüsierten wir uns mit unseren neuen weißrussischen Freunden bei einer Disko im Tanzsaal des Sanatoriums.
Tag 3: Früh am Morgen brachen wir zu einer Ausstellung urbelarussischer Kunsthandwerksgegenstände auf. Neben Tonarbeiten und niedlichen Strohfiguren, bewunderten wir auch Schmuckstücke aus Bernstein, handgearbeitete Schachfiguren und Vielerlei mehr. Zu unserer großen Freude durften wir den Töpfermeister der Ausstellung bei seiner Arbeit bewundern. Er formte ein Gefäß nach unseren Vorstellungen, welches Anna liebevoll mit „Deutschland rockt Minsk“ verzierte. Unser Mario durfte selbst auch ein Gefäß auf der Töpferscheibe herstellen und entschied sich für einen Aschenbecher. Anschließend war uns ein wenig Freizeit zum Shoppen vergönnt, bevor wir zum Mittagessen im „Planet der Sterne“ aufbrachen, in dem wir auf eine wilde Schar älterer Damen stießen, welche ihr eigenes Essen nicht nur ins Cafe mitbrachten, sondern es auch genüsslich verspeisten. Unser nächstes Ziel war das „Internetcafe Europa“. Dort sollten wir in deutsch-belarussischer Runde für verschiedene Zeitungsreporter die Erlebnisse und Eindrücke unseres Aufenthaltes in Weißrussland schildern. Nach dem Abendessen kehrten wir noch kurz in unser Wohnheim ein, um uns für den Diskoabend chic zu machen. Zwar waren wir die ersten Gäste im Club „Julia“ und langweilten uns über eine Stunde, dann jedoch ging die Party richtig los. Die ersten machten um zwei Uhr schlapp, die Partylöwen fielen erst um vier Uhr in die Betten.
Tag 4: Gegen neun holte uns der Bus zum vorletzten Mal am Studentenwohnheim ab. Wir besuchten die Gedenkstätte für die Opfer des 2. Weltkrieges in Hatyn. Das Dorf und seine Einwohner wurden vernichtet. Die Gedenkstätte, symbolisch für eines von 186 zerstörten Dörfern, bestehet aus 26 Häusern. Am Ende der grauenhaften Vernichtung blieben nur die Schornsteine der Häuser stehen. Glocken in den Schornsteinen sollen minütlich an das Geschehne erinnern. Die anschließende Fahrt sollte uns zum „Hügel des Ruhmes“ bringen. Dort fanden unter anderem Fernsehinterviews mit einem weißrussischen Fernsehen statt. Einige von uns trauten sich vor die Kamera. Man merkte es fiel ihnen etwas schwer die Fragen zu beantworten. Einige probierten sich auch in der russischen Sprache aus. Der Hügel des Ruhmes, aufgeschüttet aus der Erde der vernichteten Dörfer. Nach ca. 240 Stufen konnte man von oben eine herrliche Aussicht genießen.
Zum Mittag besuchten wir einen Sportkomplex der für die Austragung verschiedener Wintersportwettkämpfe, auch internationale, erbaut worden ist. Hier fand man von Biathlon Strecken bis hin zur Schanze für Skiweitsprung alles was das Herz begehrt. Nach dem Mittagessen ging es zurück nach Minsk. Dort hatten wir bis zum späten Nachmittag Zeit die letzten Rubel für Eigenbedarf und kleine Mitbringsel auszugeben. Zum Abend ging es dann mit der Tram zum „Haus der Jugendlichen“, wo wir unser Abendmahl zu uns nahmen. Ein letztes Mal durften wir die reichhaltige und massige Verpflegung probieren. Am späten Abend besuchten wir auch noch einen Staatszirkus. Im Gegensatz zu deutschen Zirkussen ist hier vielmehr Artistik und Kraft gefragt. Es war für uns ein herrliches Erlebnis, das wir sicher nicht vergessen werden. So sollte dann eine wunderschöne Woche in Minsk zu Ende gehen. Zum Abschluss gab es dann in unserer Unterkunft eine kleine Abschiedsfeier und einen kleinen Mitternachtsimbiss. Die letzten Adressen und Telefonnummern wurden ausgetauscht und man übergab die Gastgeschenke. An diesem Abend ließ sicherlich jeder noch einmal das Geschehene und Gesehene Revue passieren. In den frühen Morgenstunden wurden dann die Koffer gepackt und nach einem tränenreichen Abschied, fuhr der Bus wieder Richtung Heimat. Ein fernes weites Land, reich an Kultur und Landschaft. Wir hoffen das es noch manches mal die Möglichkeit gibt dieses wunderschöne Land zu Besuchen.